Kaffee und keine Zigarette und los geht’s!
Früh morgens haben wir die gestern in Bangangté gekauften Werkzeuge zur Baustelle gebracht, damit es von dieser Seite an nichts mangelt. Auf dem Weg dorthin ist uns noch deutlicher wie gestern bewusst geworden, in was für einer atemberaubenden Lage wir die nächsten Tage Arbeiten und Leben werden. Als der Techniker mit seinem Team ankam, haben wir zunächst zusammen besprochen was genau wir heute bauen wollen und vor allem wie. Das da wäre: Wie gestern bereits erwähnt die Mauer zum Schutz vor Wind und Wetter- soweit wie heute möglich-, sowie die ersten 5 Ziegelschichten des Verbrennungsofens. Die Aufgaben waren danach verteilt und das Mauern konnte beginnen.
Der Tag ließ sich gut an, der Schutzwall wuchs und wuchs und bevor die Arbeiten am Verbrennungsofen beginnen konnten, schauten wir bei der Administration des Krankenhauses vorbei und baten um eine Tour durch die Stationen des Krankenhauses. Die verschiedenen Stationen liegen am Hang und sind über eine weite Fläche verteilt. Hilfe war durchaus angebracht und so wurden wir von Dagobert(seines Faches Accountant 😀 ) zu den verschiedenen Stationen geführt. Wir lernten die hiesige Kinderklinik, die von einer äußerst charmanten Dame namens Mme Teresa geführt wird, die Geburtstation, das Labor, zwei OP Sälen und einigen weitere Stationen kennen. Wir stellten uns vor, sprachen darüber warum wir hier sind und zeigten unser gesteigertes Interesse für deren Abfälle. Unser zunächst eventuell merkwürdig erscheinendes Interesse leuchtete allen Beteiligten ein(es wussten alle Bescheid, dass wir kommen werden), so dass wir uns auf allen Stationen die aktuelle Mülltrennung anschauen konnten. Und Hurra! Es gibt, entgegen unserem bisherigen Kenntnisstand, überall wo nötig Safety boxen zur sicheren Entsorgung von gebrauchten Nadeln. Wir waren begeistert 😀 Allen anderen Abfälle wurden ungetrennt in einem Mülleimer gesammelt, die täglich in einer von zwei großen Gruben, nicht unweit des sich allmählich in die Höhe streckenden Verbrennungsofens, landen. Die Abfälle darin werden, je nach Wetter und Füllstand, angezündet und unvollständig verbrannt: Mit allen erdenklichen Folgen für Mensch und Umwelt. Trotz alledem ist das Krankenhaus sehr sauber gehalten, Warn- und Hinweisschilder für die Sensibilisierung zur Müllproblematik tauchen in den Stationen sowie außerhalb immer wieder auf. Auf der Geburtstation gibt es im Hinterhof eine abschließbare Plazenta Grube. Zudem sind in regelmäßigen Abständen auf den Wegen kleine Mülleimer für Patienten und Besucher aufgestellt. Wir waren offen gestanden überrascht.
Auf alle Fälle wurde uns aufmerksam zugehört, es war sofort klar was die nächsten Tage passieren wird und wir konnten einen sehr guten Einblick in die Müllinfrastruktur am „Hôpital Protestant de Bangoua“ gewinnen. Das Personal hier ist wirklich auf Zack, motiviert und uns wurden sogar sogleich Vorschläge gemacht, wie man sich die Mülltrennung vorstellen könnte. Unser Team Partner Gilles Hervé Nomegne hat uns davon erzählt, dass das Krankenhaus überregional einen sehr guten Ruf genießt- wir verstehen allmählich wieso. Aber wie so oft gibt es auch hier große Probleme mit den Finanzen- nicht genügend Patienten(eigentlich ein Grund zur Freude) und kaputte/veraltete medizintechnische Geräte erschweren hier den Alltag. Die Augenstation ist beispielsweise gerätetechnisch leider zum Erliegen gekommen. Mit den neuen Infos können wir nun zusammen mit dem Direktor, den Ärzten, den Krankenschwestern und weiteren Beteiligten einen Plan ausarbeiten, wie viele und vor allem welche Mülleimer über das Gelände aufgestellt werden sollen. Die Suche nach den Mülleimern unserer Wünsche könnte sich auf alle Fälle noch als schwierig erweisen. Wir bedankten uns bei Dagobert für die aufschlussreiche Tour und gingen zurück zu unserem Bestimmungsort.
Neben der Schutzmauer konzipierten wir auch 2 kleine Kammern, die mit einer Überdachung zur Aufbewahrung von Krankenhausmüll bis zur ihrer Verbrennung dienen. Unser Techniker begann mit dem Bau der inneren Brennkammer: kleinere, nichts desto trotz immens wichtige Details des Verbrennungsofens, wurden im weiteren Verlauf geklärt. Zum Beispiel die Art und Weise wie die Fugen zwischen den Ziegeln zementiert werden sollen. Man könnte meinen, dass so etwas nicht der Rede wert sei. Bei den hohen Temperaturen des Verbrennungsofens ist aber genau so etwas entscheidend, damit sich während der Verbrennung keine Risse bilden und im schlimmsten Fall das Mauerwerk Schaden nimmt. Im weitern Verlauf mussten wir dennoch feststellen, dass die Fugen aufgrund der nicht durchweg konstanten Dimensionen der Ziegel an manchen Stellen unvermeidbar größer als geplant wurden. Ob das ein Problem werden könnte, muss sich zeigen.
Schließlich war das Tagesziel erreicht und wir waren erstaunt, was das zusammengestellte Team innerhalb eines Tages zu Werke gebracht hatte. Mit gutem Hunger und dem Gefühl, dass das Projekt auf dem richtigen Weg ist verließen wir die Baustelle und ruhten uns aus.
Morgen geht es weiter!